Ich will Weihnachten

Interessantes und Besinnliches rund um die Weihnachtszeit

Die Rauhnächte

Je nach dem, in welcher Region man wohnt, kennt man die Rauhnächte nur aus den Geschichten älterer Menschen oder aus eigener Erfahrung. Man versteht unter dieser Bezeichnung die zwölf Tage, die zwischen dem Heiligen Abend und dem Dreikönigstag, wobei es je nach Region Abweichungen nach vorne oder hinten geben kann. Deshalb gehört mancherorts auch die Wintersonnenwende am 21. Januar zu den wichtigsten Tagen der Raunächte, obwohl sie vor Heiligabend liegt.

Es gibt verschiedene Theorien, woher der Begriff „Rauhnächte“ überhaupt kommt. Er könnte mit dem altdeutschen „rauch“ verwandt sein, was so viel wie „pelzig“ bedeutet. Es wäre ein Hinweis auf die starke Kälte in dieser Zeit, gegen die man sich am besten mit Fell schützte. Eine andere Theorie besagt, dass der Name vom Weihrauch her kommt, mit dem in den Rauhnächten die Ställe von Bauern beräuchert wurden.

Die Bedeutung des Namens ist dabei wesentlich einfacher: In den heidnischen Religionen des Altertums und frühen Mittelalters kannte man nur ein nach dem Mond eingeteiltes Jahr. Da der Mond immer gleichmäßig erscheint, war das Jahr allerdings nicht 364 Tage lang, sondern nur 352. Die überschüssigen zwölf Tage entsprechen den Rauhnächten und wurden teilweise auch als tote Tage oder Tage außerhalb der Zeit bezeichnet. Auch Zwischen den Jahren ist eine geläufige Bezeichnung für diesen Zeitraum. Viele mythische Kulturen betrachteten diesen Zeitraum als besonders heilig und perfekt für die verschiedensten Rituale geeignet. Dementsprechend liegt nahe, dass das Christentum den Brauch der Rauhnächte aus wesentlich älteren Kulturen übernommen hat, wenngleich es dafür bisher keine sicheren Belege gibt.

Brauchtum in den Rauhnächten

Insbesondere in ländlichen Regionen gibt es noch heute zahlreiche Bräuche, die in den Raunächten stattfinden. An Silvester beispielsweise findet in der Eifel, aber auch in Ländern wie Griechenland und Bulgarien, die „Jagd auf wilde Geister“ statt. Der Umschwung auf das neue Jahr wird als besonders empfindlicher Zeitpunkt betrachtet, an dem die Pforten zwischen Diesseits und Jenseits offen stehen. Die beliebte Silvesterknallerei ist nichts anderes, als eine tief verwurzelte Tradition, mit Lärm Dämonen und Geister zu vertreiben. Eine ähnliche Funktion haben das Perchtenlaufen (die Teilnehmer eines Umzugs verkleiden sich in böse und gute Geister), das Glöckeln (mit bunt beleuchteten Kostümen bekleidete Menschen ziehen von Haus zu Haus) und das Rummelpottlaufen (mit Trommeln und Ähnlichem werden die Geister vertrieben).

Die Wahrsagerei, die wir zum Beispiel als Bleigießen oder Zwiebelkalender kennen, sind ebenso beliebte Rauhnachtsbräuche wie tödlichere Möglichkeiten. So sollen an Silvester die Tiere im Stall sprechen können und die Zukunft vorhersagen; doch wer sie hört, stirbt. Gleichzeitig sollen Mädchen auf Kreuzwegen um Mitternacht ihren künftigen Bräutigam sehen. Doch auch hier gilt: Wer ihn anspricht, stirbt.

Nicht zuletzt an solch gruseligen Bräuchen mag es auch liegen, dass die Rauhnächte in manchen Gegenden als außerordentlich gefährlich galten. Statt das Haus zu verlassen, mummelte man sich lieber zu Hause ein. Vor allem weiße Stoffe waren verboten, denn die Reiter der Wilden Jagd könnten diese stehlen und einem im Laufe des Jahres als Leichentuch bringen.

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